Donnerstag, 24. Februar 2011

Schon ganz schön anders hier…

So, die erste Woche meiner 6 Monate in Vancouver ist also rum. Also Zeit, um von meinen ersten Eindrücken und Erlebnissen zu berichten. Da ich für heute krankgeschrieben bin, habe ich sogar auch die Zeit dafür.

Was mir zuerst zu Vancouver einfällt: riesig, teuer, surreal. Aber mal vom Anfang. :) Der Hinflug war okay, da ich die Nacht vorher kaum geschlafen hatte, hab ich die letzten 5 der 10 Stunden von London nach Vancouver gar nicht mitbekommen, auf einmal waren wir dann da. Shuttle Taxi fuhr nicht mehr, an Skytrain und dann Bus war mit meiner mega-riesen-übergewichtigen Tasche (46€, blödes British Airways) nicht zu denken, ohne Ansgar wäre ich morgens schon gar nicht zum Hbf gekommen. Habe dann zwei Amerikaner angesprochen, Taxi geteilt, netter Schnack – wunderbar.

Meine neuen Mitbewohnerinnen Yu-co und Nami, beide aus Japan, haben dann schon unten am Haus auf mich gewartet, ein schöner Empfang. Ne halbe Stunde nach meiern Ankunft lag ich glaub ich schon wieder im Bett, komplett fertig. Und bin, dank Jetlag, um 1.15am, also viertel nach 10 morgens in Deutschland (meine „heut-stell-ich-mir-keinen-Wecker-Aufsteh-Zeit“) aufgewacht. Das hat sich dann aber in den nächsten Tagen eingependelt: die nächste Nacht bin ich um 3am aufgewacht, dann um 5am und am Montag um 7am, also 15 Minuten vor meinem Wecker. Perfekt!

Zu meiner Wohnung hier: äähhhhhh, ja. Naja. Also. Mein Zimmer ist ca 10m² groß (bzw klein), Badezimmer ist noch kleiner und die Küche ist eine Kochnische. Im Wohnzimmer schläft Yu-co, deswegen gibt’s hier leider gar keinen Raum, in dem man sich mal ne Weile aufhalten oder Essen könnte. Aber alles Wichtige ist da (inklusive riesigem Kühlschrank, gehört hier wohl zur Standartausrüstung, da stehen die Kanadier den Amerikanern in nichts nach). Und die Wohnung ist echt sauber und liebevoll eingerichtet, das ist sehr schön. Einzige echt nervtötende Eigenart der Kanadier: die Heizung ist nicht auszustellen – nie! Läuft die ganze Nacht durch, schlafe immer mit offenem Fenster weil es viel zu trocken und stickig ist. Wie ineffizient! Ja, und ganz sicher bin ich mir auch noch nicht, wie ich mit der japanischen Angewohnheit, nie mit Schuhen das Zimmer zu betreten, umgehen soll. Meistens lasse ich meine Hausschuhe vor meiner Zimmertür stehen (so machen die beiden das und haben das auch am Anfang betont), aber immer nur auf Socken in meinem Zimmer, auch nervig. Ach ja, die kleinen kulturellen Unterschiede, finde sowas aber immer nett.


Am Freitag bin ich dann auch gleich zum ersten mal ins office, mein neuer Chef Alan hatte mich darum gebeten. Und, netter Zufall, Deloitte sitzt hier direkt im Nachbargebäude, da musste ich natürlich gleich an Zuhause denken. War dann auch wirklich nur eine kurze Introduction, auf jeden Fall war die Stimmung locker, und da Freitag immer casual Friday ist, sind manche sogar in Jogginghose rumgelaufen. Gut dass ich mir hier ja nicht alle Angewohnheiten aneignen muss… Aber soweit, so gut.

Der erste Schock kam dann, als ich Nachmittags mit den Japanerinnen einkaufen war: wir sind extra 15 Minuten gelaufen, um zu nem günstigen Supermarkt zu gelangen, und ich war dann trotzdem so baff wie damals in Finnland. Käse gibbet nich für unter 4€, nur den aus der Tube, aber das Zeug zählt für mich nicht als Käse. Das gleiche mit Fleischaufschnitt, frischen Sachen, Konserven – einfach alles! Habe mich letztens im großen Safeways direkt als Ausländerin geoutet: wollte nur 1 Apfel und 1 Paprika kaufen (ich wurde sehr verwirrt angeguckt), und dafür musste ich ca 2€ zahlen, autsch. Oh, und ne Erkältung sollte man hier lieber auch nicht kriegen, für 8 (immerhin farbige) Packungen Taschentücher habe ich mal locker 4€ gezahlt. Und das wo ich eh gerade nur am Schniefen bin… da gings dann mit den Arztkosten auch direkt weiter: war gestern in meiner lunch break in einer walk-in clinic: $100, bar auf die Hand, sonst läuft nichts. Jetzt wird sich zeigen, wie zuverlässig meine Auslandsversicherung ist…

Aber immerhin hat sich die Frage geklärt, warum der Kühlschrank so groß ist: genau wie in den USA gibt es einfach keine kleine Packung Margarine, Hüttenkäse, Pastasauce etc. Alles XXL. Aber dafür gibt es einfach die weltbesten Sachen, die ich mir in Deutschland nie kaufen würde: knusper Müsli mit almonds und maple Geschmack, home-made style Cinnamon buns, crunchy peanut butter zusammen mit strawberry jam auf deren labber-Toast – ja, ich werde mein hauseigenes Fitnessstudio auf jeden Fall nutzen (müssen). :)
DSCF4121

Am Wochenende habe ich dann meine ersten Spaziergänge durch die Stadt gemacht: Wahnsinn!!! Glänzende, funkelnde Skyscraper soweit das Auge reicht, aber dann dreht man sich in eine andere Richtung und sieht am Ende der Häuserschlucht blaues Wasser und direkt dahinter die schneebedeckten Berge. Was ein Panorama, das sieht wie eine zusammengeschnittene Postkarte aus. Hier herrscht strengstes grid-system, also Straßen im Schachbrettmuster, daher fällt es sogar mir sehr schwer mich zu verlaufen. Auf den Straßen ist immer was los, ich bin nur 2 blocks von sämtlichen Bürogebäuden einerseits (meine Arbeit ist, wie ich am ersten Tag schwitzend festgestellt hab, in 5 Minuten zu erreichen, aber 10 Minuten sind schon entspannter) und all den Shoppingstraßen andererseits. Und hier gibt es einfach alles! Man merkt, eine Millionenstadt. Und auch die Leute auf den Straßen sind kunterbunt, das finde ich super: ich höre mehr asiatisch als englisch (wer weiss, vielleicht kann ich ja nach dem halben Jahr japanisch von koreanisch unterscheiden?), aber auch immer wieder spanisch zwischendrin oder französisch. Nur deutsch höre ich nicht, aber das ist mir nur recht. Das gleiche gilt für die Retsaurants: Platz 1 belegt Starbucks, gibt’s hier echt an jeder Ecke. Dicht gefolgt von Benz Coffee und diversen anderen Coffee-Ketten. Ich glaube, wer sich hier zur lunch break ohne coffee-to-go Becher auf offener Straße blicken lässt, wird des Landes verwiesen. Wenn man ein paar Meter weiter die Straße runtergeht, mischen sich in das Bild unzählige asiatische Restaurants, die meisten japanisch und chinesisch. Da die Speisekarte meist nur auf der jeweiligen Landessprache ausgeschrieben ist, wird ich mich da ohne Begleitung von Nami und Yu-co wohl erst mal nicht reintrauen.

Vorhin war ich dann an der English Bay bummeln, die Sonne genießen, aufs Meer schauen, Sand in den Schuhen sammeln. Sich einfach ein bisschen treiben lassen, das geht hier super. Die frische Luft tat auch gut, bin jetzt wieder fit für die Arbeit morgen und werd auf die vom Arzt verschriebenen Antibiotika komplett verzichten. So, und nun gibt’s zur Belohnung für die erste gut überstandene Woche ein Abendessen deluxe: werde mir ein Stück Lachs braten, dazu reiche ich Brokkoli, eine kleine Süßkartoffel und Bohnen – also alles was günstig oder im Sonderangebot war. :)


Meine Lieben, schicke sonnige Grüße über das Meer zu euch, freu mich immer über feedback oder einfach so von euch zu hören!!!

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