Freitag, 20. Mai 2011

Travelling

Good Morning!



Zwischen Besuch aus Berlin, Wochenendtrips und der Arbeit komme ich doch endlich mal wieder dazu, kurz zu schreiben. Bevor es dann Morgen auch schon wieder weitergeht: Habe mir schon am Anfang den Luxus geleistet mir ein Ticket nach Hawaii zu buchen! Am Monatg ist Victoria Day, also day off in ganz Canada, und das lange Wochenende nutze ich um eeendlich etwas Sonne zu tanken. Habe mir leider nicht das beste Jahr ausgesucht um den Frühling in dieser Stadt zu verbringen, sogar die Landwirte beklagen sich schon über die ausbleibende Wärme, und das wo es in Deutschland ja anscheinend eine einzige Beachparty ist vom Wetter her. Sind übrigens immer noch ueber 6 Std Flug und 3 Std Zeitunterschied, war mir vorher gar nicht bewusst.



Ansonsten ist hier einfach so viel passiert in der letzten Zeit, dass ich gar nicht von allem berichten kann. Ich hatte 2 formidable Wochen mit Kirsten (my dear, danke noch mal für die schöne Zeit!), wir haben die Zeit echt super genutzt. Hatte ja 2 Tage frei bekommen während sie hier war, also gings dann gleich am Samstag Morgen ab zum Flughafen, Mietwagen abholen, und dann on the road – yiihaaa! Und dann auch schon wieder runter von der road: Grenze zu den USA. Und dann warten. Warten. Und noch mal warten. Da Kirsten noch keine Chance gehabt hatte, dem freundlichen Land ihre Fingerabdruecke und $6 zu geben, mussten wir tatsächlich 1 std Schlange stehen. Aber dann waren wir endlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und dann kam der Regen. Hat also eine Weile gedauert, aber irgendwann haben wir es dann doch nach Seattle geschafft.

Haben den erst besten park&ride service genommen, den das Navi uns ausgespuckt hat (wir hatten beide keine Lust auf driven in downtown + Parkgebühren von $18 für 4 std) und uns dann auf Bus-Suche begeben. Fündig geworden sind wir recht fix, dann hieß es wieder einmal warten. Der Bus fuhr dann direkt nach downtown, sehr praktisch, war auch recht amüsant das lustige Volk im Bus zu beobachten.

Haben uns dann einen schönen Nachmittag in Seattle gemacht mit Sightseeing, Bummeln im Public Market, Bargain Shopping etc. Wir brauchten auch dringend ne CD, die ganze Radio Werbung ging uns beim Fahren schon nach 1Std auf die Nerven.

Nach einem guten Abendessen (Pizza – sonst gab’s nichts mehr, ab Punkt 6pm war downtown wie ausgestorben, komisch) gings dann wieder zu unserem kleinen roten Flitzer zurück (den wir liebevoll Aurora nannten – nachdem uns die unverständliche Aussprache dieser Strasse des Navis Lachtränen in die Augen brachte) und dann auf Bettsuche für die Nacht.

Haben einfach im ersten Motel am Strassenrand angehalten – Fehler. Aber auch mal wieder ne Erfahrung. So ein gammeliges, schäbbiges Gewerbe ist mir bisher noch nicht untergekommen! Unsere Nachthemden haben noch Tage später nach dem Zimmer gestunken, eine Parfum-Dusche hat da leider auch nicht viel geholfen. Aber dafür wars wenigstens günstig.

Am nächsten Morgen wollten wir zum Kerry Park. Von dort gab es laut Reiseführer die beste Sicht auf die Skyline und Spaceneedle der ganzen Stadt.

Die Fahrt dahin war dann schon Abenteuer genug! Kirsten hatte angeboten zu fahren (unsere letzten Fahrten in Deutschland lagen beide schon seeeehr lange zurück, mussten uns also beide erst mal wieder dran gewöhnen). Der Spaß fand seine Krönung in unseren 2 Minuten als Geisterfahrer! Hatten uns schon gewundert warum das Auto hinter uns so gehupt hat, als wir abgebogen sind. Als wir dann mal auf die Richtung der Pfeile auf der Straße aufmerksam wurden, wussten wir warum. Das war dann eine 1-A-Kehrtwendung von Kirsten!


Haben uns dann einem schönen, langen und sonnigen Bummel vom Park (wirklich tolle Aussicht!) durchs Queen Anne Viertel zur Entspannung gegönnt, Höhepunkt war das all-American Frühstueck mit pancakes für Kirsten und Hashbrowns mit Bacon für mich – yummy. Dabei haben wir den Muttertags-Rummel an den Nachbartischen beobachtet, sehr gemütlich.

Und dann gings auch schon wieder weiter, Ziel: Olympic Peninsula! Haben mit der Fähre übergesetzt, und dann fing das schöne Fahren an. Keine 4 spurigen Highways mehr, auf denen man von allen Seiten überholt warden darf, sondern entspanntes Fahren durch wunderschöne Wälder und Berge, an Seen vorbei... Uns ist dann aufgefallen, dass wir ja auf “Twilight-Territory” waren. Nicht zu übersehen an den Schildern “No Vampires behind this point” etc. Aber im Vergleich zu dem ganzen Hobbit-Rummel damals in Neuseeland wars doch alles recht verhalten.


Am Dienstag (leider schon Vormittags, gab da einige Probleme mit der Autovermietung) gings dann wieder nach Hause. Schon schön, wenn man sagen kann “Ich bin wieder zu Hause, in Vancouver”. :)


Wovon wir nach dieses 2 Wochen, in denen wir zusammen natürlich nur deutsch gesprochen haben, doch ziemlich genervt waren, war der ganze typische Ami-Smalltalk. Kaum ein Ladenbesuch, in dem wir nicht gefragt wurden wo wir den herkommen. Und dann, jedes Mal: “Really? From Germany? Oh, thats AWESOME! Iech schpräächn däusch!” Jeder hier hat halt irgednwelche Verwandten in Deutschland und ist dann immer ganz stolz auf seine 3 Wörter deutsch. Und dann gibts immer noch 3 Sätze ueber das Wetter, und dann fliehen Kirsten und ich für gewöhnlich.

Am nächsten Wochenende hieß es dann schon am Freitag, direkt nach der Arbeit, auf zum Flughafen um den Mietwagen abzuholen. Diesmal gabs sogar nen 4-Türer, das allerneuste Modell von Ford (falls es irgendwen interessiert? Uns wars ziemlich schnuppe), Schwarz. Kirsten stellte sofort fest: das ist ein Jackson!, und so hatte auch das Gefährt seinen Namen weg. Naja, leider hat Jackson mehr Schimpf und Schande an einem Tag bekommen als Aurora in der ganzen Zeit. Da sitzt man schon in so nem schicken neuen Auto, will überholen, da kommt eine leichte Steigung – und dann passiert erstmal nichts mehr. Man kann dann in aller Ruhe auf dem Tacho verfolgen, wie sich Jackson abkämpft zu beschleunigen, leider eher ohne Erfolg. Peinlich! Aber war ansonsten schon okay. Finde es hier nur so schade, dass es immer ein Limit von 100kmh gibt. Die Strassen laden so ein zum sportlichen Fahren...

Ziel dieses Mal war das Okanagen valley im Südosten British Columbia’s. Der Weg dahin, ca 4std auf dem schnellen connector-highway, hat einem schon richtig das Gefühl von middle-of nowhere gegeben. Weder Handy- noch Radioempfang (nur gut, dass sich unsere CD-Zahl mittlerweile auf 4 erweitert hatte), und Schilder die einem raten, noch mal schnell auf den Tank zu gucken, next fuel stop in 85km.

Auf dem Rückweg nahmen wir eine andere Route, direkt an der border zur USA entlang, die Strecke war echt nicht ohne. Wunderschön, aber Kurven, bei denen man nach 5 Minuten das Ende noch nicht sah, quasi. Nach einer dieser Kurven sahen wir dann vor uns am Rand nen Haufen Autos stehen, die da irgendwie alle noch halb auf dem highway parkten. Komisch, also mal etwas langsamer und: da lief ein Bär am Waldrand entlang, in aller Ruhe! Hab uns also gleich eingereiht und wir haben uns beide reisig gefreut, unseren ersten wilden Bären zu sehen!

Weil das Fahren dort echt anstrengend war auf die Dauer, haben wir dann bei der nächsten Möglichkeit getauscht. Und die Chance genutzt, die all-nature Toilette zu benutzen. Ha, ich sag euch, das ist ein ganz anderes Gefühl wenn man da im Wald sitzt und weiss dass sich nur 1km weiter ein wilder Bär rumtreibt...

Das Okanagen Valley ist hier bekannt für seine Weinanbau-Gebiete und für seine Hitze im Sommer. Hier gibt es noch einen richtigen Wüstenauslaeufer, das kann man sich kaum vorstellen. Im Sommer werden es wohl sogar an die 40Grad, was es zu einem beliebten Camping- und Urlaubsgebiet fuer canadier macht. Allerdings hatte die Saison auch hier wegen des schlechten Wetters erst schleppend begonnen, so dass die Straßen bis auf ein paar wenige Urlauber wie ausgestorben waren. Aber sehr schön war’s trotzdem, ein Spaziergang am See, der Blick auf die Berge, dinner at Smitty’s mit 3 Miniburgern und Trivial Pursuit Karten zur Unterhaltung, dann ein lokaler Wein im Queensize Bett mit American TV – das Leben kann so süß sein.

Körst ist jetzt leider am Mittwoch wieder zurückgeflogen (und das jetzt, wo wir hier endlich auch mal schönes Wetter haben!), aber back-to-normal-Gefühl kommt hier trotzdem nicht auf. Wie auch, wenn es Morgen nachmittag nach Honolulu geht und ich über Pfingsten tatsächlich noch mal Besuch aus Deutschland bekommen werde, ganz spontan, von einer guten Freundin aus Essen (ge, Verena?). Dann wollte ich noch ein Wochenende nach Victoria, wenn irgendwie möglich auch noch eins nach Banff in die Rocky Mountains, Whale Watching steht auch noch auf meiner to-do Liste – und iregdnwie merke ich, dass die Zeit langsam knapp wird. Da ich meinen Rückflug umgebucht habe (komme jetzt schon am 19.7. wieder zurück, damit ich etwas mehr Luft für meine bachelor Arbeit habe), fliege ich heute in genau 2 Monaten wieder zurück. Die Halbzeit hab ich also schon eine Weile hinter mir. Und obwohl es immer noch 2 ganze Monate sind, denk ich mir irgendwie “Kann nicht mal jemand kurz die Zeit anhalten, damit ich hier noch alles mitnehmen kann, was es gibt?” Und wenn dieser jemand mir dann auch noch mal kurz mein Konto wieder auffüllen würde, wäre ich auf immer dankbar.

So long, muss jetzt mal wieder an die Arbeit (ist ein slow day heute...)
Liebe Grüße

Donnerstag, 14. April 2011

long time no talk

Jaaaaaa, mich gibt es noch! Wurde noch von keinem Bären verputzt. Die hier sowieso noch im Winterschlaf sind, bei den Temperaturen. Eisig, sehe jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit noch meinem Atem in der Luft, das ist doch nicht schön. Aber da wird mir wieder bewusst wie froh ich sein kann, in Vancouver gelandet zu sein. In Edmonton gab‘s die Tage wohl noch 21cm Neuschnee.

Ist jetzt, glaube ich, schon über 1 Monat her dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Was soll ich auch groß erzählen, hier ist mittlerweile einfach alles Alltag für mich. Und was soll ich euch vom Alltag schreiben, das ist ja langweilig. Die 4l Milch container sind normal (will sie auch nicht mehr missen – total praktisch), die Schimpfanfälle meiner Kollegin auf Kantonesisch sind normal (puh, gut dass ich da nicht am anderen Ende der Leitung sitze – auf Englisch ist sie immer super nett), die heiße Schokolade bei Tim Hortons mit Freunden ist normal, die geraden Straßen, die man meilenweit hoch- und runter sehen kann um ganz am Ende die Tannen des Stanley Parks zu sehen, die Busse, die auf ihrer Anzeigentafel durchgängig den Canucks Glück fürs nächste Spiel wünschen – Normalität.

Und trotzdem gibt es immer noch neue Sachen zu entdecken. Gestern hat meine deutsche Kollegin mich in der Mittagspause mit zum „Outlet-Schlachter“ genommen. War erst etwas irritiert, war letztendlich sowas wie ein Fabrikverkauf. Wir hatten die Tage über deutsches Essen geredet, und uns beide den Mund wässrig geredet über ein gutes, leckeres Stück Kasseler. Also schnell mit dem Auto hin – nach 20 Minuten war ich über $20 los. Und dafür, unter anderem, um eine Weißwurst reicher. Denn, Insider Tipp von besagter Kollegin Karin, die gebürtige Berliner ist: Weisswurst, Ketchup und Curry = ergibt das, was einer original Currywurst hier am allernächsten kommt!
Habe ich dann gestern Abend auch gleich ausprobiert. Erst in heißes Wasser, dann kurz angebraten, dann ne halbe Flasche ganz normalen Ketchup drüber und zu guter Letzt mehr als ne Prise Currypulver. Voller Spannung das erste Stück probiert: super lecker! Und tatsächlich fast wie zu Hause, was eine Freude.
Ha, hier mal kurz eine kleine Liste mit Essen, auf das ich mich jetzt schon wieder total freue, weils das hier nicht gibt/viel zu teuer ist:

- Mozarella (6€ pro Stück seh ich immer noch nicht ein)
- Sämtliche Leckereien vom Wurst-Imbiss um die Ecke (obwohl ich Hotdogs ab und an schon auf ziemlich lecker finde)
- Vernünftiges Brot
- Die kleinen Joghurts, Puddings, Nachtisch Sachen aus dem Kühlregal, da gibt’s hier nur ne ganz schlechte Auswahl
- Leckere Fruchtsäfte mit weniger als 50% Zucker

Aber die Liste der Sachen, die ich zurück in Deutschland vermissen werde, ist sicher genauso lang, wenn nicht noch länger.


Was ich auf jeden Fall sehr vermissen werde, sind all die international Begegnungen, die ich hier habe. Ich glaube, so vielseitig was die verschiedenen Kulturen angeht, war bisher noch keiner meiner Auslandsaufenthalte. In Australien hatte ich viel mit deutschen zu tun, zwischendurch immer wieder viel mit Australiern, aber größtenteils mit Engländern. In Finnland überwiegend mit Deutschen, dann viel mit einem Finnen, und ab und an mal was mit Franzosen.
Aber hier: mit meinen japanischen Mädels aus der Wohnung hatten wir letztens unsere erste Dinner Party. Haben alle gekocht und dann zusammen gegessen. Es gab Udon Nudeln mit Meeresfrüchten (muss unbedingt lernen, wie man das macht, war total lecker), sowas wie Guacamole aber definitiv japanisch, dazu Seetang Blätter, noch nen anderen Dipp und zum Nachtisch dann japanische Schoki und Cracker. Ich hab ne Lauch-Curry-Banane-Pfanne serviert, zwar nicht gerade typisch deutsch, aber ihnen hats geschmeckt.
Dazu hab ich noch extra Becks geholt und dann war die Überraschung ganz meinerseits: beide kannten Bremen! Und zwar von den Bremer Stadtmusikanten, ist wohl ein sehr beliebtes Kindermärchen in Japan! Ha, wär hätte das gedacht. Zum Nachtisch habe ich dann extra noch eine Tafel Milka aufgetrieben, die im nu verputzt war, und sogar auch noch Aachener Dominosteine, die aber nach je 1 Stück nicht mehr angerührt wurden. Ha, umso mehr für Sarah und mich. Das war ein echt schöner Abend, haben alle zusammen sehr viel gelacht, und natürlich ging irgendwann die japanische Photo-Session los, wie immer.

Viel zu tun habe ich über die Arbeit auch noch mit eienr anderen Japanerin, Ikuko, mit der ich oft in der Pause was mache oder Abends was Essen gehe. Anders als meine Mädels, ist sie super offen und redet auch gern mal ne halbe Stunde durch, was auch daran liegt dass sie im Englischen recht sicher ist. Hab also irgendwie das Gefühl hier, auch halb nen interkulturelles Training über Japan mitzumachen.
Über Ikuko habe ich dann letztens einen ukrainischen Freund von ihr kennengelernt. Am 125. Geburtstag Vancouvers (ne Baby Stadt, wie süß) waren wir erst was Essen und dann am Canada place, wo zur feier des Tages noch mal die olympischen feuer angezündet wurden, sehr schön. So einen Abend hätte es in Deustchland nie gegeben, 3 Menschen aus 3 gänzlich verschiedenen Kulturen treffen sich zum Essen und Trinken und stellen lachend fest, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt, aber auch wie viele Unterschiede.

Dann ist da Sonya, auch eine Kollegin mit der ich oft am Wochenende ne movie + junkfood night mache. Die ist hier aufgewachsen, hat aber noch den eher zurückhaltenden koreanischen Charakter ihrer Eltern. Und dann Joel, ganz Kanadier, immer drauf los, nie an Morgen denken.

Und die einzige Deustche, mit der ich hier außer der einen Kollegin was zu tun habe, ist Sarah. Die möchte ich dafür aber auch wirklich nicht missen, das ist dann eben doch ein großer Unterschied. Sie arbeitet gerade als Nanny in der Nähe von Vancouver und seit ich sie kenne haben wir jedes Wochenende was zusammen unternommen. Feiern, kleiner Shopping Bummel, wir waren sogar schon zusammen in der arena und haben uns ein Roller Derby match angeschaut. Was ein Spaß, alles war am Grölen und Anfeuern, und am Ende haben auch die faster pussycats in ihren pinken hotpants gewonnen.


Und all die Kollegen, da fange ich gar nicht erst an aufzuzählen, wo die alle herkommen. Lustig finde ich immer die verschiedenen Themen, die da so aufkommen. Mit Andrew, unserem IT guy, geht’s oft um Autos (er nimmt irgendwie automatisch an, dass ich als Deutsche BMW und Mercedes liebe) oder um die Canucks, also Eishockey. Mit einer Kollegin aus Hongkong, die mir letztens in unserer Pause meinen Pony geschnitten hat (argh, das Haare aber auch nicht schneller wachsen können, sehe aus wie aus der 70ern, aber bis ich zurückkomme wird das ja hoffentlich nachgewachsen sein), habe ich mich heute eine Weile unterhalten. Und bin am Ende mit einem flyer über die Zeugen Jehovas aus ihrem Büro gekommen. Wär hätte das gedacht.


Ein bisschen was zum Arbeitsalltag in Kanada, ist ja vielleicht auch ganz interessant. Oder auch was zu Kühne + Nagel, bzw internationalen deutschen Unternehmen allgemein, bekomme dann ja doch so einiges mit. Die HQ von KN ist zwar offiziell in der Schweiz (natürlich, die lieben Steuern), aber zB die gesamte IT läuft noch über Hamburg. Und eben auch die Management Ebene. Chef unseres Büros und auch vice president of KN canada, ist Heinz. Genauso deutsch, wie er klingt. Darunter kommen 4 Manager der verschiedenen Abteilungen, von denen nur noch einer deutsch ist. Zwei Frauen sind auch dabei. Alan, also mein Chef, hat mir erklärt, dass das vor 10 Jahren noch kaum möglich gewesen wäre. Da wurden noch alle hohen Stellen mit Deutschen besetzt. Das hat sich geändert, aber die Nummer 1 ist eben immer noch deutsch.
Hier wird jeder mit Vornamen angesprochen. Von den meisten kenne ich den Nachnamen gar nicht. Das gleiche gilt für jeglichen Email Verkehr, was ich total angenehm finde. Ist viel freundlicher und entspannter. Manche Kunden haben ihre Firmen-Emailadressen sogar nur mit Vornamen, was mich dann fast schon wieder leicht irritiert.
Schwierig war‘s für mich dann aber mit den beiden deutschen Chefs. Habe mich auf Deutsch vorgestellt, alles andere wär albern, aber wie spreche ich die dann an? Mit Vornamen und Du? Oder Nachname und Sie? Habe mich, der deutschen Disziplin sei Dank, dann für Sie entschieden. Peter, der Airfreight manager, hat mir dann direkt das Du angeboten. Er meinte, auch das hätte sich in den letzten Jahren geändert, vor einiger Zeit haben viele Deutsche da noch viel mehr Wert drauf gelegt. Anders aber Heinz, der ja an der Spitze steht: der hat keine Anstalten gemacht, irgendwie auf das Sie verzichten zu wollen. Aber da ich ihn eh kaum sehe, ist das auch kein Problem. Ansonsten ist das Arbeitsklima recht entspannt. Lustig eben, das man ständisch Kantonesisch, Mandarin, Japanisch etc hört.

Um Punkt 5pm packe ich meist meine Sachen und gehe nach Hause. Liegt natürlich auch daran, dass ich als Praktikantin kaum an Fällen arbeite, die erst so spät reinkommen und dann unbedingt noch erledigt werden müssen. Aber es werden kaum Überstunden erwartet, um 10 nach 5 ist das Büro fast leer, nur vereinzelt arbeiten Einige noch länger.

Hier ist es wohl außerdem üblich, lange bei einer Firma zu bleiben. Am stärksten zeichnet sich das beim Urlaubsanspruch ab. Der fängt bei 10 Tagen pro Jahr an und steigert sich dann erst nach 5 Jahren Zugehörigkeit. Nach über 20 Jahren kann man dann aber auch gut auf knapp 2 Monate Urlaub kommen. Das sehe ich auch in kleineren Firmen, wo auf der jährlichen Weihnachtsfeier zB scholarships für die Kinder für deren education verlost werden. Da kommt dann monatlich was in den Topf, was aber alles weg ist, sobald man die Firma wechselt.
Ich muss sagen, da gefällt mir Deutschland doch besser. Der Gedanke, ab und an mal seinen Job wechseln zu können, um einfach noch mal etwas anderes zu erleben, beruhigt mich. Und mit nur 10n Tagen Urlaub im Jahr anzufangen, fürchterlich.

Da kann ich echt froh sein, jetzt schon 4 Tage gewilligt bekommen zu haben. 2 Tage nach Ostern, wenn Andi mich besuchen kommt, und dann noch mal 2 Tage im Mai, wenn Kirsten hier ist. Freue mich auf beide schon total.


Oh, habe eben auf die Uhr geschaut, Schlafenszeit für mich! Oh gosh habe ich viel geschrieben, nehme es auch nicht übel wenn ihr das etappenweise lest, sorry. As always, many hugs from far far away and bitterly cold Vancouver – schickt mir doch mal ein bisschen Sonne rüber!!!

Montag, 14. März 2011

Surprises on Sale: ORDER NONE – GET TWO !!!

Der erste Monat ist fast rum. Jaja, wie schnell die Zeit vergeht, und jedes mal bin ich wieder überrascht drüber. Diesmal hab ich von ein paar Zufällen und Überraschungen zu erzählen.

Eine Kleine gabs gerade eben: letzte Woche wurden im ganzen Haus Zettel verteilt:
„Tenant Appreciation“ Free Pizza and raffle prizes, Monday 14th March, 5.30pm – 7.30pm.
Hui, na da war die Freude groß, gratis Pizza, das lassen wir uns nicht 2x sagen. Fühlte mich sehr appreciated, thank you. Zu Dritt sind wir also heute, voller Vorfreude und Hunger (ich hatte, als ich von der Arbeit kam, schon Pizzageruch erschnuppert) so gegen halb 7 nach unten in die Lobby. Äh, und standen dann da. Als Einzige, neben 2 umgedrehten Tischen, nur noch einen Hauch von Pizzageruch wahrnehmend. Alles schon vorbei!? Wie gemein! Man kann doch nicht ein ganzes Haus einladen und dann nur 5 Stücke servieren, so viel zum Thema appreciation. Waren dann aber doch nicht die Einzigen, die verwundert rumstanden. Ein Australier mit Eltern aus Korea und sein Kanadischer Freund (was eine Rarität hier) waren auch enttäuscht, sind dann, das ist ja immer das Nette an solchen Begebenheiten, ins Gespräch gekommen, mal schaun.

Das war heute, aber nicht weiter spektakulär, zumal ich zum Glück noch 1 Tiefkühlpizza hatte. Jepp, die brutzelt jetzt gerade im Ofen. :)


Ganz Anders hat sich der Zufall letzte Woche gezeigt, hat mich nämlich einfach ins kalte Wasser geschmissen. Ich wollte Dienstag Abend mit Moe, einem deutschen Couchsurfer, auf ein Konzert in nem Pub auf Granville Island, das hatte ganz nett geklungen und er hatte Lust mitzukommen. Um 8.30pm wollten wir uns davor treffen.
Der Weg hatte doch länger als gedacht gedauert, hab zum Schluss noch eine der süßen, winzigen Ferries in Regenbogenfarbe genommen, war die Einzige neben der Fahrerin. War also erst um 9 da, aber Moe hatte mich beim ersten treffen eh schon warten lassen, und so war ich wenigstens nicht die Erste. Da Moe selbst kein kanadisches Handy hat, hatte er mir Avi’s Nummer gegeben, das ist die Couchsurferin, bei der er gerade als guest war, die wollte auch kommen. Habe sie kurz angerufen: „Moe and the others should be inside already, Ill be there in about 15 minutes.“ Wunderbar, also man rein.
Die erste Runde gemacht, Moe nicht gesehen, die zweite Runde, schon etwas genauer und langsamer, wieder keine Spur. Obs noch anderswo Sitzplätze gibt? Nicht? Na gut.
So, an dieser Stelle muss mal kurz erwähnt werde, dass es einer meiner größten Alpträume ist, Abends alleine in einen Pub zu gehen. Alleine ins Kino, alleine nach Litauen, alleine Nachts durch Brooklyn – alles kein Problem. Aber alleine in nen Pub, ohne Buch, Laptop etc? Nein Danke! Wird sicher nicht jeder verstehen, aber ist einfach so.
Ja, und in dem Moment wusste ich dann nämlich auch, warum ich das nicht machen wollte, ganz komisches Gefühl. Also erst mal an die Bar, ein Bier holen zum dran festhalten. Und dann warten. Immerhin müsste ja Avi gleich kommen. 10 Minuten warten. 15. Dann 20. Dann irgendwann 40, mein Bier neigte sich dem Ende, schal schmeckte es eh schon. War kurz davor einfach wieder zu gehen, aber was für ein Abend wäre das denn gewesen...
Und dann irgendwann: ein Hauch von Deutsch! Glaubt mir, ich war noch nie so froh gewesen, im Ausland deutsch zu hören. Habe mich nach der Herkunft umgeschaut, und direkt am Tisch hinter mir saßen 6 Leute und redeten muter vor sich hin, eben deutsch. Also, hab meine Jacke und mein Bier genommen – und mich einfach mal selbst eingeladen. Es war auch noch genau 1 Stuhl frei, wenn das kein Zeichen war.

Und so hatte ich dann noch einen richtig lustigen Abend, mit einem Haufen Schwaben, die recht begeistert waren mal ein Nordlicht am Tisch sitzen zu haben. Mit Lea, die neben mir saß und hier studiert, will ich Morgen nach der Arbeit zur public library (die ist sooo toll!!! hab sie am Wochenedne für mich entdeckt), dort zeigen sie den Film "snow falling on cedars", Literaturverfilmung, kost nix, perfekt.) Moe tauchte den ganzen Abend über nicht auf.
10 Minuten nachdem ich mich zu den Deutschen gesetzt hatte, schrieb mir Avi, dass sie jetzt am Tisch vor der Bühne sitze, aber da saß ich dann schon zu gemütlich. Habe ihr dann am Ende aber auch noch kurz Hallo gesagt, ganz happy wirkte sie auch nicht. Ihre Freundin Carla war so lieb, mir anzubieten mich mit dem Auto nach Hause zu fahren, was ich dann auch dankbar angenommen habe, wär schon kompliziert gewesen mit dem Bus so spät. Leider wollten die beiden gerade los, als die Band endlich, endlich, endlich mal anfing ein paar Geräusche von sich zu geben, mist. Aber da ich am nächsten Tag eh wieder zur Arbeit musste, war das schon okay. Auf jeden Fall, trotz oder gerade wegen Allem, ein sehr schöner Abend.

So, meine Pizza neigt sich dem Ende, aber so lange noch ein Stück da ist, schreib ich noch ein bisschen. Wieder ein Zufall, oder auch nicht, weiss es nicht genau. Auf jeden Fall habe ich es geschafft meinen persönlichen Rekord in „Wie viele verschiedene Krankheiten schaffe ich in wie kurzer Zeit“ zu brechen. Blasenentzündung, dicke Erkältung, und jetzt Reflux, alles in weniger als 1 Monat. Damit mir auch bloß nicht langweilig wird, hab ich seit letztem Dienstag Brustschmerzen und jeder Schluck/Bissen tut höllisch weh. War dann am Freitag wieder beim Arzt (wären wir in Deutschland, wären wir jetzt sicher schon per Du), die erste Behandlungsmethode hat nicht angeschlagen, die zweite dann doch, so dass es heute endlich wieder besser geht, also alles gut.
Und sehen wirs mal positiv: immerhin weiss ich jetzt, wie das hier so mit prescriptions läuft! Ist schon tricky: anders als in Deutschland bekommt man hier ja fast alles rezeptfrei in jedem größeren Drugstore. Aber wenn man dann eben doch mal ein Rezept hat, muss man erst mal den Weg zu den Prescriptions finden, ganz hinten durch. Da muss man dann Namen, Adresse, Geburtsdatum nennen, damit auch alles seinen rechten Lauf nimmt. Fällt wahrscheinlich weg, wenn man so eine Medicard hat, aber als nicht-kanadierin hab ich die eben nicht.
Ha, und dann wird’s lustig: ich habe dann so einen Buzzer in die Hand bekommen, wie man die beim Vapiano bekommt wenn man sich eine Pizza bestellt. Und dann wird man zum Spazierengehen geschickt. Eine Viertelstunde hat der werte Herr gebraucht, um das eine Medikament hervorzukramen. Hatte mir in der Zwischenzeit natürlich nen Korb besorgt und schon die ersten Sachen drin, das war bestimmt nur ein Marketing-Trick. Irgendwann brummte und blinkte es dann in meiner Hand, und in einer großen weißen Papiertüte gabs dann ein winziges Pillendöschen, auf das sogar mein Name gedruckt war. Sehr schön, zumal es dann noch ein 10 minütiges Gespräch mit dem Apotheker gab, in dem er mir sein Mitleid bekundete und mir verschiedene Tips zur schnellen Genesung gab.

Ja, so lerne ich langsam Land, Leute und das tägliche Leben hier kennen. Meine Pizza ist längst verschwunden, und genau das werde ich gleich auch tun, ab ins Bett. Gute Nacht, bzw Guten Morgen euch allen!

Sonntag, 6. März 2011

I LOVE THIS CITY !!!

Meine Lieben, ich habe zwar erst vor einer Woche geschrieben, aber es fühlt sich an als wärs schon Ewigkeiten hier. Die letzte Woche war echt super, ich habe so viel unternommen dass ich mich freue, jetzt diesen Sonntag abend ganz unspektakulär mit einer (köstlichen!) heißen Schokolade vorm Rechner zu sitzen und ein bisschen zu schreiben.

Gewinne langsam auf der Arbeit das Gefühl so im ganz Groben zu verstehen, was ich da eigentlich mache, und ich habe doch tatsächlich auch schon ein soziales Leben neben der Arbeit zu Stande gebracht, das macht vom Grundgefühl her einfach nen riesen Unterschied. Hatte ja schon vor meiner Abreise ein paar wenige Couchsurfer in Vancouver angeschrieben, einer hatte mir dann auch geantwortet. Also habe ich letztes Wochenende zum ersten Mal von meiner tollen Handy + Festnetzflatrate Gebrauch gemacht und bei Joel angerufen.
Er hatte auch direkt Zeit, waren also Abends erst Sushi Essen (was eine Blamage hier nicht mit Stäbchen essen zu können! DARAN merkt man, wer Tourist ist. Aber hab ja ne Weile um meine Fähigkeiten zu perfektionieren…) und danach ging‘s in nen Pub, hatte mich schon die ganze Woche auf ein kaltes Bier gefreut. Der Abend war echt super lustig, als Joel vor ein paar Jahren $5000 gewonnen hat, hat er seinen Job gekündigt und ist 5 Monate durch Europa gereist (er hat, wie fast alle hier, irgendwelche entfernten Verwandten dort). Wir hatten also beide ein paar lustige Reisegeschichten im Gepäck.
Auf dem Weg zum Pub gab’s dann einen dieser Zufälle, die ich so liebe: wir sind in eine riesige Outdoor Party geraten! Hatte den Tag über davon im Internet gelesen, war mir aber nicht sicher ob das wirklich stattfand und hatte das schon komplett vergessen gehabt, bis wir dann auf einmal mitten drin standen. Die Idee: die Party kommt zu dir! Durch die Innenstadt, Polizei hatte für Autos gesperrt. Ganz viele hatte ihre eigene Jukebox dabei oder alte Ghettoblaster, und der DJ hat live ins Radio übertragen. Alle hatten auf diese Welle eingestellt, so dass überall richtig gute Partymusik war, ab und an gabs lustige Kommentare oder Party-Anweisungen. Motto des Abends war glaub ich einfach nur Canada, voll viele waren in Flaggen gehüllt, hatten National Trikots an, etc. Diese Partyreihe zieht wohl durch ganz Canada, in 20 verschiedenen Städten waren sie schon und natürlich JUST an dem Abend, in dem ich zum ersten Mal in Vancouver weggehe, war die Party zum ersten Mal in Vancouver. – Genial!
Sonntag habe ich dann liebevoll meinen ersten Kater hier gepflegt, war glaube ich der einzige Kater meines Lebens über den ich mich bisher gefreut habe…

Die Woche auf der Arbeit lief auch schon viel besser als die erste, zumal ich auch endlich wieder komplett fit war, nichts mehr von Erkältung. Mittwoch hab ich mich dann nach der Arbeit wieder mit Joel getroffen, ist echt schön hier wen zu kennen. Haben erst nen Bummel through downtown gemacht, er hat mir Vancouvers „Eastside“ gezeigt, also eine der angeblich schlimmsten Ecken – ha, die sollen mal in den Pott kommen, kann ich da nur sagen. Danach ab zum Mexicaner, so nen ganz kleiner ramschiger, aber doch liebevoll eingerichteter Laden, und dazu noch Sangria geschlürft, so kann man die Mitte der Woche gut überstehen. Das ist schon echt toll hier, egal worauf man gerade Hunger hat, hier findet man es. Und es gibt nicht überall nur die großen Ketten, gerade die ausländischen Küchen sind meist kleine, süße Buden, von locals betrieben.

Und Donnerstag abend kam dann überraschend ne Sms von noch einem anderen Couchsurfer, dass er gerade in downtown sei, wie’s mit nem Kaffee wär. Also nix Gammeln sondern gleich wieder los, war dann ein netter Abend zu Dritt, Moe hatte eine Kanadierin namens Amy dabei, die er im Zug von Toronto aus (4 tägige Fahrt!) kennengelernt hat. Waren nur im Starbucks, wo mir aber fast die Vorfreude auf meine tall hot chocolate with cream vergangen wär, als ich auf dem menu „Salty Hot Chocolate“ las. Gibt’s das in Deutschland auch? Die beiden haben mir aber versichert, dass die lecker sei, wirklich, aber irgendwie hab ich mich auf das Gaumenabenteuer noch nicht eingelassen. Vielleicht bald mal.

Ja, und dann war auch schon Freitag und auf der Arbeit der erste Tag, an dem ich durchweg was zu tun hatte! Ist ja als Praktikantin am Anfang oft so, dass man erst kleine Aufgaben bekommt, die schnell erledigt sind, aber so langsam werden es auch komplexere Sachen, das freut mich. Abends hatte Joel mich auf eine Party bei ihm zu Hause eingeladen. Er und 5 Kumpels wohnen in nem Haus an der Cambie Street, also schon ne Ecke weg, aber mit dem Skytrain schnell zu erreichen. Ein Freund von denen war nach 6 Monaten Afrika wieder zurückgekommen und das sollte nun gefeiert werden. War dann auch ein ganz lustiger Abend, aber die ganzen Leute kannten sich halt total gut untereinander und es war nicht so leicht, da mal irgendwo ins Gespräch mit reinzukommen. Ansonsten feiern Kanadier genau wie Deutsche: mit viel Bier, Tequila, und Trinkspielen. Bin dann irgendwann nach Hause, und Gestern, also Samstag, hab ich mir dann nen entspannten Tag gegönnt, endlich mal mein Zimmer geputzt, war Einkaufen, hab schön gekocht, eben solche Sachen.

Ja, und heute nämlich, war ich dann Skifahren! Total cool, hatte mich bei einer Arbeitskollegin mehr oder weniger selbst eingeladen (manche Leute muss man halt zu ihrem Glück zwingen ;), die wollte eine Cross-Country Skiing lesson nehmen. Sonya ist sowieso eine total liebe, war letztens in unserer lunch break mit ihr unterwegs, sie war die Erste die auf mich zukam und mir das angeboten hat. Sind dann heute mit ihrem Auto nach Cypress Hill gefahren, die Klamotten hatte ich mir von ihr und Joel zusammengeliehen, Gear haben wie vor Ort ausgeliehen. Das mag ich hier, die Leute waren bisher alle super hilfsbereit ohne nen großen Wirbel drum zu machen. Und es schien sogar die Sonne! Bisher meint die Stadt es echt gut mit mir. Hatten dann einen ganz jungen, ober-coolen Skilehrer, der erstmal erzählt hat welche Meisterschaften er schon so alle gewonnen hat. Er war aber auf jeden Fall ganz lustig, und er hat nen guten Job gemacht.
War am Anfang schon ungewöhnt wieder auf Skiern zu stehen, aber am Ende hats echt Spaß gemacht. Habe nur jetzt schon Angst vor dem Muskelkater morgen…


Entschuldigt dass ich euch jetzt nur von meinen ganzen Unternehmungen erzählt habe, ist bestimmt nicht so spannend für euch, eigentlich wollte ich was zu Land und Leuten schreiben, aber ich bin gerade einfach froh, hier ein bisschen Anschluss gefunden zu haben. Beim nächsten mal gibt’s dann wieder mehr von den netten, kleinen kulturellen Beobachtungen. Und einen ganz lieben Dank für eure Kommentare!!! Ist so schön dass da was zurückkommt, und natürlich freu ich mich umso mehr, desto besser euch mein Blog gefällt.
Werde mir jetzt nur noch ein Mikrowellengericht warm machen, duschen, und mich dann ganz schnell in mein Bett verkriechen. Wurde für nächste Woche in ein Online Training enrollt für unser Computersystem, das werden 3 Stunden jeden Tag sein, bin mal gespannt was das nach 2 Wochen noch bringt. Ich glaube aber, dass Morgen auch der neue Praktikant aus Frankreich anfängt, der wird im Airfreight sein (ich bin im Seafreight), dann bin ich schon nicht mehr die „Neueste“ im Büro, fein fein. Hoffe dass er nett ist…


Wie immer, einen ganz fetten Drücker von mir an euch, liebe Grüße

Donnerstag, 24. Februar 2011

Schon ganz schön anders hier…

So, die erste Woche meiner 6 Monate in Vancouver ist also rum. Also Zeit, um von meinen ersten Eindrücken und Erlebnissen zu berichten. Da ich für heute krankgeschrieben bin, habe ich sogar auch die Zeit dafür.

Was mir zuerst zu Vancouver einfällt: riesig, teuer, surreal. Aber mal vom Anfang. :) Der Hinflug war okay, da ich die Nacht vorher kaum geschlafen hatte, hab ich die letzten 5 der 10 Stunden von London nach Vancouver gar nicht mitbekommen, auf einmal waren wir dann da. Shuttle Taxi fuhr nicht mehr, an Skytrain und dann Bus war mit meiner mega-riesen-übergewichtigen Tasche (46€, blödes British Airways) nicht zu denken, ohne Ansgar wäre ich morgens schon gar nicht zum Hbf gekommen. Habe dann zwei Amerikaner angesprochen, Taxi geteilt, netter Schnack – wunderbar.

Meine neuen Mitbewohnerinnen Yu-co und Nami, beide aus Japan, haben dann schon unten am Haus auf mich gewartet, ein schöner Empfang. Ne halbe Stunde nach meiern Ankunft lag ich glaub ich schon wieder im Bett, komplett fertig. Und bin, dank Jetlag, um 1.15am, also viertel nach 10 morgens in Deutschland (meine „heut-stell-ich-mir-keinen-Wecker-Aufsteh-Zeit“) aufgewacht. Das hat sich dann aber in den nächsten Tagen eingependelt: die nächste Nacht bin ich um 3am aufgewacht, dann um 5am und am Montag um 7am, also 15 Minuten vor meinem Wecker. Perfekt!

Zu meiner Wohnung hier: äähhhhhh, ja. Naja. Also. Mein Zimmer ist ca 10m² groß (bzw klein), Badezimmer ist noch kleiner und die Küche ist eine Kochnische. Im Wohnzimmer schläft Yu-co, deswegen gibt’s hier leider gar keinen Raum, in dem man sich mal ne Weile aufhalten oder Essen könnte. Aber alles Wichtige ist da (inklusive riesigem Kühlschrank, gehört hier wohl zur Standartausrüstung, da stehen die Kanadier den Amerikanern in nichts nach). Und die Wohnung ist echt sauber und liebevoll eingerichtet, das ist sehr schön. Einzige echt nervtötende Eigenart der Kanadier: die Heizung ist nicht auszustellen – nie! Läuft die ganze Nacht durch, schlafe immer mit offenem Fenster weil es viel zu trocken und stickig ist. Wie ineffizient! Ja, und ganz sicher bin ich mir auch noch nicht, wie ich mit der japanischen Angewohnheit, nie mit Schuhen das Zimmer zu betreten, umgehen soll. Meistens lasse ich meine Hausschuhe vor meiner Zimmertür stehen (so machen die beiden das und haben das auch am Anfang betont), aber immer nur auf Socken in meinem Zimmer, auch nervig. Ach ja, die kleinen kulturellen Unterschiede, finde sowas aber immer nett.


Am Freitag bin ich dann auch gleich zum ersten mal ins office, mein neuer Chef Alan hatte mich darum gebeten. Und, netter Zufall, Deloitte sitzt hier direkt im Nachbargebäude, da musste ich natürlich gleich an Zuhause denken. War dann auch wirklich nur eine kurze Introduction, auf jeden Fall war die Stimmung locker, und da Freitag immer casual Friday ist, sind manche sogar in Jogginghose rumgelaufen. Gut dass ich mir hier ja nicht alle Angewohnheiten aneignen muss… Aber soweit, so gut.

Der erste Schock kam dann, als ich Nachmittags mit den Japanerinnen einkaufen war: wir sind extra 15 Minuten gelaufen, um zu nem günstigen Supermarkt zu gelangen, und ich war dann trotzdem so baff wie damals in Finnland. Käse gibbet nich für unter 4€, nur den aus der Tube, aber das Zeug zählt für mich nicht als Käse. Das gleiche mit Fleischaufschnitt, frischen Sachen, Konserven – einfach alles! Habe mich letztens im großen Safeways direkt als Ausländerin geoutet: wollte nur 1 Apfel und 1 Paprika kaufen (ich wurde sehr verwirrt angeguckt), und dafür musste ich ca 2€ zahlen, autsch. Oh, und ne Erkältung sollte man hier lieber auch nicht kriegen, für 8 (immerhin farbige) Packungen Taschentücher habe ich mal locker 4€ gezahlt. Und das wo ich eh gerade nur am Schniefen bin… da gings dann mit den Arztkosten auch direkt weiter: war gestern in meiner lunch break in einer walk-in clinic: $100, bar auf die Hand, sonst läuft nichts. Jetzt wird sich zeigen, wie zuverlässig meine Auslandsversicherung ist…

Aber immerhin hat sich die Frage geklärt, warum der Kühlschrank so groß ist: genau wie in den USA gibt es einfach keine kleine Packung Margarine, Hüttenkäse, Pastasauce etc. Alles XXL. Aber dafür gibt es einfach die weltbesten Sachen, die ich mir in Deutschland nie kaufen würde: knusper Müsli mit almonds und maple Geschmack, home-made style Cinnamon buns, crunchy peanut butter zusammen mit strawberry jam auf deren labber-Toast – ja, ich werde mein hauseigenes Fitnessstudio auf jeden Fall nutzen (müssen). :)
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Am Wochenende habe ich dann meine ersten Spaziergänge durch die Stadt gemacht: Wahnsinn!!! Glänzende, funkelnde Skyscraper soweit das Auge reicht, aber dann dreht man sich in eine andere Richtung und sieht am Ende der Häuserschlucht blaues Wasser und direkt dahinter die schneebedeckten Berge. Was ein Panorama, das sieht wie eine zusammengeschnittene Postkarte aus. Hier herrscht strengstes grid-system, also Straßen im Schachbrettmuster, daher fällt es sogar mir sehr schwer mich zu verlaufen. Auf den Straßen ist immer was los, ich bin nur 2 blocks von sämtlichen Bürogebäuden einerseits (meine Arbeit ist, wie ich am ersten Tag schwitzend festgestellt hab, in 5 Minuten zu erreichen, aber 10 Minuten sind schon entspannter) und all den Shoppingstraßen andererseits. Und hier gibt es einfach alles! Man merkt, eine Millionenstadt. Und auch die Leute auf den Straßen sind kunterbunt, das finde ich super: ich höre mehr asiatisch als englisch (wer weiss, vielleicht kann ich ja nach dem halben Jahr japanisch von koreanisch unterscheiden?), aber auch immer wieder spanisch zwischendrin oder französisch. Nur deutsch höre ich nicht, aber das ist mir nur recht. Das gleiche gilt für die Retsaurants: Platz 1 belegt Starbucks, gibt’s hier echt an jeder Ecke. Dicht gefolgt von Benz Coffee und diversen anderen Coffee-Ketten. Ich glaube, wer sich hier zur lunch break ohne coffee-to-go Becher auf offener Straße blicken lässt, wird des Landes verwiesen. Wenn man ein paar Meter weiter die Straße runtergeht, mischen sich in das Bild unzählige asiatische Restaurants, die meisten japanisch und chinesisch. Da die Speisekarte meist nur auf der jeweiligen Landessprache ausgeschrieben ist, wird ich mich da ohne Begleitung von Nami und Yu-co wohl erst mal nicht reintrauen.

Vorhin war ich dann an der English Bay bummeln, die Sonne genießen, aufs Meer schauen, Sand in den Schuhen sammeln. Sich einfach ein bisschen treiben lassen, das geht hier super. Die frische Luft tat auch gut, bin jetzt wieder fit für die Arbeit morgen und werd auf die vom Arzt verschriebenen Antibiotika komplett verzichten. So, und nun gibt’s zur Belohnung für die erste gut überstandene Woche ein Abendessen deluxe: werde mir ein Stück Lachs braten, dazu reiche ich Brokkoli, eine kleine Süßkartoffel und Bohnen – also alles was günstig oder im Sonderangebot war. :)


Meine Lieben, schicke sonnige Grüße über das Meer zu euch, freu mich immer über feedback oder einfach so von euch zu hören!!!

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