long time no talk
Jaaaaaa, mich gibt es noch! Wurde noch von keinem Bären verputzt. Die hier sowieso noch im Winterschlaf sind, bei den Temperaturen. Eisig, sehe jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit noch meinem Atem in der Luft, das ist doch nicht schön. Aber da wird mir wieder bewusst wie froh ich sein kann, in Vancouver gelandet zu sein. In Edmonton gab‘s die Tage wohl noch 21cm Neuschnee.
Ist jetzt, glaube ich, schon über 1 Monat her dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Was soll ich auch groß erzählen, hier ist mittlerweile einfach alles Alltag für mich. Und was soll ich euch vom Alltag schreiben, das ist ja langweilig. Die 4l Milch container sind normal (will sie auch nicht mehr missen – total praktisch), die Schimpfanfälle meiner Kollegin auf Kantonesisch sind normal (puh, gut dass ich da nicht am anderen Ende der Leitung sitze – auf Englisch ist sie immer super nett), die heiße Schokolade bei Tim Hortons mit Freunden ist normal, die geraden Straßen, die man meilenweit hoch- und runter sehen kann um ganz am Ende die Tannen des Stanley Parks zu sehen, die Busse, die auf ihrer Anzeigentafel durchgängig den Canucks Glück fürs nächste Spiel wünschen – Normalität.
Und trotzdem gibt es immer noch neue Sachen zu entdecken. Gestern hat meine deutsche Kollegin mich in der Mittagspause mit zum „Outlet-Schlachter“ genommen. War erst etwas irritiert, war letztendlich sowas wie ein Fabrikverkauf. Wir hatten die Tage über deutsches Essen geredet, und uns beide den Mund wässrig geredet über ein gutes, leckeres Stück Kasseler. Also schnell mit dem Auto hin – nach 20 Minuten war ich über $20 los. Und dafür, unter anderem, um eine Weißwurst reicher. Denn, Insider Tipp von besagter Kollegin Karin, die gebürtige Berliner ist: Weisswurst, Ketchup und Curry = ergibt das, was einer original Currywurst hier am allernächsten kommt!
Habe ich dann gestern Abend auch gleich ausprobiert. Erst in heißes Wasser, dann kurz angebraten, dann ne halbe Flasche ganz normalen Ketchup drüber und zu guter Letzt mehr als ne Prise Currypulver. Voller Spannung das erste Stück probiert: super lecker! Und tatsächlich fast wie zu Hause, was eine Freude.
Ha, hier mal kurz eine kleine Liste mit Essen, auf das ich mich jetzt schon wieder total freue, weils das hier nicht gibt/viel zu teuer ist:
- Mozarella (6€ pro Stück seh ich immer noch nicht ein)
- Sämtliche Leckereien vom Wurst-Imbiss um die Ecke (obwohl ich Hotdogs ab und an schon auf ziemlich lecker finde)
- Vernünftiges Brot
- Die kleinen Joghurts, Puddings, Nachtisch Sachen aus dem Kühlregal, da gibt’s hier nur ne ganz schlechte Auswahl
- Leckere Fruchtsäfte mit weniger als 50% Zucker
Aber die Liste der Sachen, die ich zurück in Deutschland vermissen werde, ist sicher genauso lang, wenn nicht noch länger.
Was ich auf jeden Fall sehr vermissen werde, sind all die international Begegnungen, die ich hier habe. Ich glaube, so vielseitig was die verschiedenen Kulturen angeht, war bisher noch keiner meiner Auslandsaufenthalte. In Australien hatte ich viel mit deutschen zu tun, zwischendurch immer wieder viel mit Australiern, aber größtenteils mit Engländern. In Finnland überwiegend mit Deutschen, dann viel mit einem Finnen, und ab und an mal was mit Franzosen.
Aber hier: mit meinen japanischen Mädels aus der Wohnung hatten wir letztens unsere erste Dinner Party. Haben alle gekocht und dann zusammen gegessen. Es gab Udon Nudeln mit Meeresfrüchten (muss unbedingt lernen, wie man das macht, war total lecker), sowas wie Guacamole aber definitiv japanisch, dazu Seetang Blätter, noch nen anderen Dipp und zum Nachtisch dann japanische Schoki und Cracker. Ich hab ne Lauch-Curry-Banane-Pfanne serviert, zwar nicht gerade typisch deutsch, aber ihnen hats geschmeckt.
Dazu hab ich noch extra Becks geholt und dann war die Überraschung ganz meinerseits: beide kannten Bremen! Und zwar von den Bremer Stadtmusikanten, ist wohl ein sehr beliebtes Kindermärchen in Japan! Ha, wär hätte das gedacht. Zum Nachtisch habe ich dann extra noch eine Tafel Milka aufgetrieben, die im nu verputzt war, und sogar auch noch Aachener Dominosteine, die aber nach je 1 Stück nicht mehr angerührt wurden. Ha, umso mehr für Sarah und mich. Das war ein echt schöner Abend, haben alle zusammen sehr viel gelacht, und natürlich ging irgendwann die japanische Photo-Session los, wie immer.
Viel zu tun habe ich über die Arbeit auch noch mit eienr anderen Japanerin, Ikuko, mit der ich oft in der Pause was mache oder Abends was Essen gehe. Anders als meine Mädels, ist sie super offen und redet auch gern mal ne halbe Stunde durch, was auch daran liegt dass sie im Englischen recht sicher ist. Hab also irgendwie das Gefühl hier, auch halb nen interkulturelles Training über Japan mitzumachen.
Über Ikuko habe ich dann letztens einen ukrainischen Freund von ihr kennengelernt. Am 125. Geburtstag Vancouvers (ne Baby Stadt, wie süß) waren wir erst was Essen und dann am Canada place, wo zur feier des Tages noch mal die olympischen feuer angezündet wurden, sehr schön. So einen Abend hätte es in Deustchland nie gegeben, 3 Menschen aus 3 gänzlich verschiedenen Kulturen treffen sich zum Essen und Trinken und stellen lachend fest, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt, aber auch wie viele Unterschiede.
Dann ist da Sonya, auch eine Kollegin mit der ich oft am Wochenende ne movie + junkfood night mache. Die ist hier aufgewachsen, hat aber noch den eher zurückhaltenden koreanischen Charakter ihrer Eltern. Und dann Joel, ganz Kanadier, immer drauf los, nie an Morgen denken.
Und die einzige Deustche, mit der ich hier außer der einen Kollegin was zu tun habe, ist Sarah. Die möchte ich dafür aber auch wirklich nicht missen, das ist dann eben doch ein großer Unterschied. Sie arbeitet gerade als Nanny in der Nähe von Vancouver und seit ich sie kenne haben wir jedes Wochenende was zusammen unternommen. Feiern, kleiner Shopping Bummel, wir waren sogar schon zusammen in der arena und haben uns ein Roller Derby match angeschaut. Was ein Spaß, alles war am Grölen und Anfeuern, und am Ende haben auch die faster pussycats in ihren pinken hotpants gewonnen.
Und all die Kollegen, da fange ich gar nicht erst an aufzuzählen, wo die alle herkommen. Lustig finde ich immer die verschiedenen Themen, die da so aufkommen. Mit Andrew, unserem IT guy, geht’s oft um Autos (er nimmt irgendwie automatisch an, dass ich als Deutsche BMW und Mercedes liebe) oder um die Canucks, also Eishockey. Mit einer Kollegin aus Hongkong, die mir letztens in unserer Pause meinen Pony geschnitten hat (argh, das Haare aber auch nicht schneller wachsen können, sehe aus wie aus der 70ern, aber bis ich zurückkomme wird das ja hoffentlich nachgewachsen sein), habe ich mich heute eine Weile unterhalten. Und bin am Ende mit einem flyer über die Zeugen Jehovas aus ihrem Büro gekommen. Wär hätte das gedacht.
Ein bisschen was zum Arbeitsalltag in Kanada, ist ja vielleicht auch ganz interessant. Oder auch was zu Kühne + Nagel, bzw internationalen deutschen Unternehmen allgemein, bekomme dann ja doch so einiges mit. Die HQ von KN ist zwar offiziell in der Schweiz (natürlich, die lieben Steuern), aber zB die gesamte IT läuft noch über Hamburg. Und eben auch die Management Ebene. Chef unseres Büros und auch vice president of KN canada, ist Heinz. Genauso deutsch, wie er klingt. Darunter kommen 4 Manager der verschiedenen Abteilungen, von denen nur noch einer deutsch ist. Zwei Frauen sind auch dabei. Alan, also mein Chef, hat mir erklärt, dass das vor 10 Jahren noch kaum möglich gewesen wäre. Da wurden noch alle hohen Stellen mit Deutschen besetzt. Das hat sich geändert, aber die Nummer 1 ist eben immer noch deutsch.
Hier wird jeder mit Vornamen angesprochen. Von den meisten kenne ich den Nachnamen gar nicht. Das gleiche gilt für jeglichen Email Verkehr, was ich total angenehm finde. Ist viel freundlicher und entspannter. Manche Kunden haben ihre Firmen-Emailadressen sogar nur mit Vornamen, was mich dann fast schon wieder leicht irritiert.
Schwierig war‘s für mich dann aber mit den beiden deutschen Chefs. Habe mich auf Deutsch vorgestellt, alles andere wär albern, aber wie spreche ich die dann an? Mit Vornamen und Du? Oder Nachname und Sie? Habe mich, der deutschen Disziplin sei Dank, dann für Sie entschieden. Peter, der Airfreight manager, hat mir dann direkt das Du angeboten. Er meinte, auch das hätte sich in den letzten Jahren geändert, vor einiger Zeit haben viele Deutsche da noch viel mehr Wert drauf gelegt. Anders aber Heinz, der ja an der Spitze steht: der hat keine Anstalten gemacht, irgendwie auf das Sie verzichten zu wollen. Aber da ich ihn eh kaum sehe, ist das auch kein Problem. Ansonsten ist das Arbeitsklima recht entspannt. Lustig eben, das man ständisch Kantonesisch, Mandarin, Japanisch etc hört.
Um Punkt 5pm packe ich meist meine Sachen und gehe nach Hause. Liegt natürlich auch daran, dass ich als Praktikantin kaum an Fällen arbeite, die erst so spät reinkommen und dann unbedingt noch erledigt werden müssen. Aber es werden kaum Überstunden erwartet, um 10 nach 5 ist das Büro fast leer, nur vereinzelt arbeiten Einige noch länger.
Hier ist es wohl außerdem üblich, lange bei einer Firma zu bleiben. Am stärksten zeichnet sich das beim Urlaubsanspruch ab. Der fängt bei 10 Tagen pro Jahr an und steigert sich dann erst nach 5 Jahren Zugehörigkeit. Nach über 20 Jahren kann man dann aber auch gut auf knapp 2 Monate Urlaub kommen. Das sehe ich auch in kleineren Firmen, wo auf der jährlichen Weihnachtsfeier zB scholarships für die Kinder für deren education verlost werden. Da kommt dann monatlich was in den Topf, was aber alles weg ist, sobald man die Firma wechselt.
Ich muss sagen, da gefällt mir Deutschland doch besser. Der Gedanke, ab und an mal seinen Job wechseln zu können, um einfach noch mal etwas anderes zu erleben, beruhigt mich. Und mit nur 10n Tagen Urlaub im Jahr anzufangen, fürchterlich.
Da kann ich echt froh sein, jetzt schon 4 Tage gewilligt bekommen zu haben. 2 Tage nach Ostern, wenn Andi mich besuchen kommt, und dann noch mal 2 Tage im Mai, wenn Kirsten hier ist. Freue mich auf beide schon total.
Oh, habe eben auf die Uhr geschaut, Schlafenszeit für mich! Oh gosh habe ich viel geschrieben, nehme es auch nicht übel wenn ihr das etappenweise lest, sorry. As always, many hugs from far far away and bitterly cold Vancouver – schickt mir doch mal ein bisschen Sonne rüber!!!
Ist jetzt, glaube ich, schon über 1 Monat her dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Was soll ich auch groß erzählen, hier ist mittlerweile einfach alles Alltag für mich. Und was soll ich euch vom Alltag schreiben, das ist ja langweilig. Die 4l Milch container sind normal (will sie auch nicht mehr missen – total praktisch), die Schimpfanfälle meiner Kollegin auf Kantonesisch sind normal (puh, gut dass ich da nicht am anderen Ende der Leitung sitze – auf Englisch ist sie immer super nett), die heiße Schokolade bei Tim Hortons mit Freunden ist normal, die geraden Straßen, die man meilenweit hoch- und runter sehen kann um ganz am Ende die Tannen des Stanley Parks zu sehen, die Busse, die auf ihrer Anzeigentafel durchgängig den Canucks Glück fürs nächste Spiel wünschen – Normalität.
Und trotzdem gibt es immer noch neue Sachen zu entdecken. Gestern hat meine deutsche Kollegin mich in der Mittagspause mit zum „Outlet-Schlachter“ genommen. War erst etwas irritiert, war letztendlich sowas wie ein Fabrikverkauf. Wir hatten die Tage über deutsches Essen geredet, und uns beide den Mund wässrig geredet über ein gutes, leckeres Stück Kasseler. Also schnell mit dem Auto hin – nach 20 Minuten war ich über $20 los. Und dafür, unter anderem, um eine Weißwurst reicher. Denn, Insider Tipp von besagter Kollegin Karin, die gebürtige Berliner ist: Weisswurst, Ketchup und Curry = ergibt das, was einer original Currywurst hier am allernächsten kommt!
Habe ich dann gestern Abend auch gleich ausprobiert. Erst in heißes Wasser, dann kurz angebraten, dann ne halbe Flasche ganz normalen Ketchup drüber und zu guter Letzt mehr als ne Prise Currypulver. Voller Spannung das erste Stück probiert: super lecker! Und tatsächlich fast wie zu Hause, was eine Freude.
Ha, hier mal kurz eine kleine Liste mit Essen, auf das ich mich jetzt schon wieder total freue, weils das hier nicht gibt/viel zu teuer ist:
- Mozarella (6€ pro Stück seh ich immer noch nicht ein)
- Sämtliche Leckereien vom Wurst-Imbiss um die Ecke (obwohl ich Hotdogs ab und an schon auf ziemlich lecker finde)
- Vernünftiges Brot
- Die kleinen Joghurts, Puddings, Nachtisch Sachen aus dem Kühlregal, da gibt’s hier nur ne ganz schlechte Auswahl
- Leckere Fruchtsäfte mit weniger als 50% Zucker
Aber die Liste der Sachen, die ich zurück in Deutschland vermissen werde, ist sicher genauso lang, wenn nicht noch länger.
Was ich auf jeden Fall sehr vermissen werde, sind all die international Begegnungen, die ich hier habe. Ich glaube, so vielseitig was die verschiedenen Kulturen angeht, war bisher noch keiner meiner Auslandsaufenthalte. In Australien hatte ich viel mit deutschen zu tun, zwischendurch immer wieder viel mit Australiern, aber größtenteils mit Engländern. In Finnland überwiegend mit Deutschen, dann viel mit einem Finnen, und ab und an mal was mit Franzosen.
Aber hier: mit meinen japanischen Mädels aus der Wohnung hatten wir letztens unsere erste Dinner Party. Haben alle gekocht und dann zusammen gegessen. Es gab Udon Nudeln mit Meeresfrüchten (muss unbedingt lernen, wie man das macht, war total lecker), sowas wie Guacamole aber definitiv japanisch, dazu Seetang Blätter, noch nen anderen Dipp und zum Nachtisch dann japanische Schoki und Cracker. Ich hab ne Lauch-Curry-Banane-Pfanne serviert, zwar nicht gerade typisch deutsch, aber ihnen hats geschmeckt.
Dazu hab ich noch extra Becks geholt und dann war die Überraschung ganz meinerseits: beide kannten Bremen! Und zwar von den Bremer Stadtmusikanten, ist wohl ein sehr beliebtes Kindermärchen in Japan! Ha, wär hätte das gedacht. Zum Nachtisch habe ich dann extra noch eine Tafel Milka aufgetrieben, die im nu verputzt war, und sogar auch noch Aachener Dominosteine, die aber nach je 1 Stück nicht mehr angerührt wurden. Ha, umso mehr für Sarah und mich. Das war ein echt schöner Abend, haben alle zusammen sehr viel gelacht, und natürlich ging irgendwann die japanische Photo-Session los, wie immer.
Viel zu tun habe ich über die Arbeit auch noch mit eienr anderen Japanerin, Ikuko, mit der ich oft in der Pause was mache oder Abends was Essen gehe. Anders als meine Mädels, ist sie super offen und redet auch gern mal ne halbe Stunde durch, was auch daran liegt dass sie im Englischen recht sicher ist. Hab also irgendwie das Gefühl hier, auch halb nen interkulturelles Training über Japan mitzumachen.
Über Ikuko habe ich dann letztens einen ukrainischen Freund von ihr kennengelernt. Am 125. Geburtstag Vancouvers (ne Baby Stadt, wie süß) waren wir erst was Essen und dann am Canada place, wo zur feier des Tages noch mal die olympischen feuer angezündet wurden, sehr schön. So einen Abend hätte es in Deustchland nie gegeben, 3 Menschen aus 3 gänzlich verschiedenen Kulturen treffen sich zum Essen und Trinken und stellen lachend fest, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt, aber auch wie viele Unterschiede.
Dann ist da Sonya, auch eine Kollegin mit der ich oft am Wochenende ne movie + junkfood night mache. Die ist hier aufgewachsen, hat aber noch den eher zurückhaltenden koreanischen Charakter ihrer Eltern. Und dann Joel, ganz Kanadier, immer drauf los, nie an Morgen denken.
Und die einzige Deustche, mit der ich hier außer der einen Kollegin was zu tun habe, ist Sarah. Die möchte ich dafür aber auch wirklich nicht missen, das ist dann eben doch ein großer Unterschied. Sie arbeitet gerade als Nanny in der Nähe von Vancouver und seit ich sie kenne haben wir jedes Wochenende was zusammen unternommen. Feiern, kleiner Shopping Bummel, wir waren sogar schon zusammen in der arena und haben uns ein Roller Derby match angeschaut. Was ein Spaß, alles war am Grölen und Anfeuern, und am Ende haben auch die faster pussycats in ihren pinken hotpants gewonnen.
Und all die Kollegen, da fange ich gar nicht erst an aufzuzählen, wo die alle herkommen. Lustig finde ich immer die verschiedenen Themen, die da so aufkommen. Mit Andrew, unserem IT guy, geht’s oft um Autos (er nimmt irgendwie automatisch an, dass ich als Deutsche BMW und Mercedes liebe) oder um die Canucks, also Eishockey. Mit einer Kollegin aus Hongkong, die mir letztens in unserer Pause meinen Pony geschnitten hat (argh, das Haare aber auch nicht schneller wachsen können, sehe aus wie aus der 70ern, aber bis ich zurückkomme wird das ja hoffentlich nachgewachsen sein), habe ich mich heute eine Weile unterhalten. Und bin am Ende mit einem flyer über die Zeugen Jehovas aus ihrem Büro gekommen. Wär hätte das gedacht.
Ein bisschen was zum Arbeitsalltag in Kanada, ist ja vielleicht auch ganz interessant. Oder auch was zu Kühne + Nagel, bzw internationalen deutschen Unternehmen allgemein, bekomme dann ja doch so einiges mit. Die HQ von KN ist zwar offiziell in der Schweiz (natürlich, die lieben Steuern), aber zB die gesamte IT läuft noch über Hamburg. Und eben auch die Management Ebene. Chef unseres Büros und auch vice president of KN canada, ist Heinz. Genauso deutsch, wie er klingt. Darunter kommen 4 Manager der verschiedenen Abteilungen, von denen nur noch einer deutsch ist. Zwei Frauen sind auch dabei. Alan, also mein Chef, hat mir erklärt, dass das vor 10 Jahren noch kaum möglich gewesen wäre. Da wurden noch alle hohen Stellen mit Deutschen besetzt. Das hat sich geändert, aber die Nummer 1 ist eben immer noch deutsch.
Hier wird jeder mit Vornamen angesprochen. Von den meisten kenne ich den Nachnamen gar nicht. Das gleiche gilt für jeglichen Email Verkehr, was ich total angenehm finde. Ist viel freundlicher und entspannter. Manche Kunden haben ihre Firmen-Emailadressen sogar nur mit Vornamen, was mich dann fast schon wieder leicht irritiert.
Schwierig war‘s für mich dann aber mit den beiden deutschen Chefs. Habe mich auf Deutsch vorgestellt, alles andere wär albern, aber wie spreche ich die dann an? Mit Vornamen und Du? Oder Nachname und Sie? Habe mich, der deutschen Disziplin sei Dank, dann für Sie entschieden. Peter, der Airfreight manager, hat mir dann direkt das Du angeboten. Er meinte, auch das hätte sich in den letzten Jahren geändert, vor einiger Zeit haben viele Deutsche da noch viel mehr Wert drauf gelegt. Anders aber Heinz, der ja an der Spitze steht: der hat keine Anstalten gemacht, irgendwie auf das Sie verzichten zu wollen. Aber da ich ihn eh kaum sehe, ist das auch kein Problem. Ansonsten ist das Arbeitsklima recht entspannt. Lustig eben, das man ständisch Kantonesisch, Mandarin, Japanisch etc hört.
Um Punkt 5pm packe ich meist meine Sachen und gehe nach Hause. Liegt natürlich auch daran, dass ich als Praktikantin kaum an Fällen arbeite, die erst so spät reinkommen und dann unbedingt noch erledigt werden müssen. Aber es werden kaum Überstunden erwartet, um 10 nach 5 ist das Büro fast leer, nur vereinzelt arbeiten Einige noch länger.
Hier ist es wohl außerdem üblich, lange bei einer Firma zu bleiben. Am stärksten zeichnet sich das beim Urlaubsanspruch ab. Der fängt bei 10 Tagen pro Jahr an und steigert sich dann erst nach 5 Jahren Zugehörigkeit. Nach über 20 Jahren kann man dann aber auch gut auf knapp 2 Monate Urlaub kommen. Das sehe ich auch in kleineren Firmen, wo auf der jährlichen Weihnachtsfeier zB scholarships für die Kinder für deren education verlost werden. Da kommt dann monatlich was in den Topf, was aber alles weg ist, sobald man die Firma wechselt.
Ich muss sagen, da gefällt mir Deutschland doch besser. Der Gedanke, ab und an mal seinen Job wechseln zu können, um einfach noch mal etwas anderes zu erleben, beruhigt mich. Und mit nur 10n Tagen Urlaub im Jahr anzufangen, fürchterlich.
Da kann ich echt froh sein, jetzt schon 4 Tage gewilligt bekommen zu haben. 2 Tage nach Ostern, wenn Andi mich besuchen kommt, und dann noch mal 2 Tage im Mai, wenn Kirsten hier ist. Freue mich auf beide schon total.
Oh, habe eben auf die Uhr geschaut, Schlafenszeit für mich! Oh gosh habe ich viel geschrieben, nehme es auch nicht übel wenn ihr das etappenweise lest, sorry. As always, many hugs from far far away and bitterly cold Vancouver – schickt mir doch mal ein bisschen Sonne rüber!!!
die.amsel - 14. Apr, 20:59
